Vertreterschulung 2018: Einführung in das Vertreteramt und in die Geschichte der Genossenschaften

Während der Sommer in Hamburg noch ein letztes Mal Fahrt aufgenommen hat, trafen sich die neu gewählten Vertreter der Vereinigten Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft eG (vhw) im Gewerkschaftshaus in St. Georg, nahe des Hamburger Hauptbahnhofes. Sie wurden in ihr neues Aufgabengebiet eingeführt und tauchten in die Geschichte der Genossenschaften ein, denn im Gewerkschaftshaus befindet sich ebenfalls das Genossenschafts-Museum. Ein ereignisreicher und informativer Abend, der auch dem Austausch zwischen Vertretern und vhw Mitarbeitern diente.

 

Lange Tradition der Wohnungsbaugenossenschaften

Zur Eröffnung des Schulungsnachmittages gab es von vhw Vorstand Martin Thoß einleitende Worte. Die Wohnungsbaugenossenschaften haben eine lange Tradition und gerade in der Nachkriegszeit viel zum Aufbau und zur Entwicklung der Hansestadt Hamburg beigetragen. Die Vereinigte Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft eG ging 1981 aus einer Fusion des im Jahr 1894 gegründeten Wilhelmsburger Spar- und Bauverein e.G. mit dem Bauverein Hamm-Geest e.G., welcher im Jahr 1921 gegründet wurde, hervor. Mit ihrem Wohnungsbestand und ihrem sozialen Engagement leistet sie seit Jahrzehnten in ihren Quartieren für die nachhaltige Entwicklung der Hansestadt einen positiven Beitrag.

Stellvertretender Museumsleiter Armin Peter ließ die Schulungsteilnehmer in die Geschichte der Genossenschaften eintauchen (Bildquelle: vhw/Beata Schwaiger).

Ursprünge des Genossenschaftswesens

Im Anschluss nahm Armin Peter, stellvertretender Leiter des Genossenschaftsmuseums, die Teilnehmer mit auf eine Reise durch die Geschichte der Genossenschaften. „Genossenschaft ist etwas ganz wunderbares“, betonte er dabei. Das Hamburger Genossenschafts-Museum solle an die Ursprünge des Genossenschaftswesens und den Geist der Genossenschaft erinnern. Viele Menschen können mit dem Begriff Genossenschaft nicht viel anfangen – insbesondere Ihnen legt er einen Besuch des Museums ans Herz. Denn eine Genossenschaft sei nicht nur eine Gesellschaftsform, wie etwa eine GmbH, sondern viel mehr eine Wertegemeinschaft.

Ihren Ursprung haben die Genossenschaften in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Zuge der frühen Industrialisierung sei es zu Armut und Hungersnöten gekommen – besonders schlimm seien auch die Wohnverhältnisse gewesen, so Peter. Die Wohnungsbaugenossenschaften haben dabei sehr viel verändert. Einer der Pioniere, Victor Aimé Huber, habe während dieser Zeit in Berlin die erste Wohnungsbaugenossenschaft ins Leben gerufen und insbesondere den Siedlungsgedanken propagiert.

Genossenschaft innerhalb der Genossenschaft: Die Wir-eG

Nicht nur den Siedlungsgedanken, auch den Gedanken einer solidarischen Nachbarschaft findet Armin Peter beeindruckend. Dabei lobte er insbesondere die vhw für ihre Wir-eG. Der Gedanke der genossenschaftlichen Selbsthilfe und der Zusammenarbeit in der Nachbarschaft werde dadurch gepflegt, so Peter. Die Wir-eG ist eine genossenschaftliche Plattform der vhw, die Nachbarschaftsprojekte und Ideen sowohl mit finanziellen Mitteln fördert, als auch mit administrativen Tätigkeiten und weiteren Hilfestellungen unterstützt.

Unterrichtete die Schulungsteilnehmer über ihre neuen Aufgaben als Vertreter: Justiziar des VNW Rainer Maaß (Bildquelle: vhw/Beata Schwaiger).

Von der Geschichte zurück in die Gegenwart

Am frühen Abend erwartete die Schulungsteilnehmer ein Vortrag zu den Aufgaben, Rechten und Pflichten im Vertreteramt. Denn neben Vorstand und Aufsichtsrat bildet die Vertreterversammlung das dritte wichtige Organ einer Genossenschaft. Über die verschiedenen Aufgaben und Zuständigkeiten der Organe referierte Rainer Maaß, seit über 30 Jahren Justiziar beim Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. (VNW), einem genossenschaftlichen Prüfungsverband, der die Genossenschaften in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie in Schleswig-Holstein prüft und berät. Auch Maaß betonte die Wichtigkeit der genossenschaftlichen Idee: Selbsthilfe, Selbstverwaltung, Selbstverantwortung, Solidarität, Regionalität und Gleichbehandlung.

Nach dem Vortrag gab es noch ein Buffet mit leckerem Fingerfood und Erfrischungsgetränken. Hier haben die Vertreter zusammen mit beiden vhw Vorständen, Aufsichtsratsmitgliedern sowie Mitarbeitern der vhw den Abend bei anregenden Gesprächen ausklingen lassen.

Ein besonderes Highlight

Die Schulungsteilnehmer erwartete im 11. Stock des Gewerkschaftshauses ein besonderes Highlight. Zwischen den Vorträgen von Armin Peter und Rainer Maaß hatten sie die Gelegenheit, die Geschichte der Genossenschaften hautnah zu erleben und die zahlreichen Exponate gemeinsam mit Museumsdirektor Dr. Burchard Bösche in Augenschein zu nehmen. Historische Dokumente, Schilder, alte Kassensysteme und weitere Alltagsgegenstände aus der damaligen Zeit füllten die Räume. Bemerkenswert: Das Museum war ursprünglich eine Wohnung, die Museumsdirektor Bösche vor einigen Jahren im Gewerkschaftshaus gemietet hat. Viele der dort ausgestellten Gegenstände wurden auf einer bekannten Auktionsplattform ersteigert, doch auch die Museumsbesucher steuerten viele Exponate bei. Auch hier ist der Genossenschaftsgedanke also spürbar: Von Besuchern für Besucher. Und ein Besuch lohnt sich allemal – nicht nur für Genossenschafts-Fans.

Vertreter beim Stöbern im Hamburger Genossenschafts-Museum (Bildquelle: vhw/Beata Schwaiger).
Stellvertretender Museumsleiter Armin Peter im Gespräch mit Vertretern (Bildquelle: vhw/Beata Schwaiger).

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